Outdoor im Deutschen Südosten: Reit im Winkl

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Wenn man mit dem Finger auf der Deutschlandkarte ganz bis nach unten rechts rutscht, dann landet man ziemlich nah an einem kleinen Ort in den Voralpen in direkter Nähe zur Österreichischen Grenze. Reit im Winkl ist im Sommer und Winter attraktiv. Aber so richtig bekannt wurde der Ort durch seine „Promis“ Rosi Mittermaier und den Volksmusikerinnen Maria und Margot Hellwig.

(St)Reit im Winkl

Ungewöhnlich fängt dieser Beitrag mit einem Streit an. Aber keinem aktuellen, sondern einem, der sich laut einer Sage im Jahr 1806 zugetragen haben soll. Als Napoleon in diesem Jahr das Land verteilte, vergaß er offenbar Reit im Winkl und machte es zum Niemandsland. Natürlich stritten daraufhin die damaligen Herrscher von Bayern, Salzburg und Tirol, zu wem das Land nun gehören solle. Man löste den Streit ungewohnt friedlich: mit einem Kartenspiel. Max Joseph I. von Bayern gewann durch einen Stich mit dem Schellen Unter (entspricht auf dem französischen Blatt Karo Bube). Reit im Winkl fiel damit an Bayern und Schelln Unter wurde zum Wahrzeichen der Stadt.

Klettersteigen über dem Hausbergwasserfall

Ich war noch gar nicht so recht angekommen, da stand schon der erste Termin ins Haus: Klettersteigen „über“ Reit im Winkl sollte der erste Programmpunkt meiner kleinen Outdoor-Reise sein. Der idyllische Ortkern liegt eng an einen kleinen Berg gekuschelt, den Hausberg. Von ihm rauscht nach feuchten Tagen ein kleiner aber feiner Wasserfall talwärts. Wanderwege gibt es hier schon länger, doch der Klettersteig ist relativ jung. Umso stolzer ist man, das dies auch der 1. TÜV-geprüfte Klettersteig Deutschlands ist.
Meine eigene Ausrüstung hatte ich dabei: Kletterhelm, Gurtzeug, Sicherungskarabiner, Handschuhe. Das Übliche also, wenn man mit ordentlicher und meist auch vorgeschriebener Ausrüstung in einen Klettersteig möchte. In der kleinen Klettergruppe, die an diesem Tage von SAYAQ Adventures betreut wurde, war ich jedoch der einzige, der schon einmal am Berg hing, daher gab es zunächst die übliche Einweisung inkl. Materialverleih und Testkarabinern am „Kinderhügel“. Danach ging es aber zügig in den Berg. Die Route hatte ich mir online schon angesehen: 400 Meter Klettersteig, für die man ca. 1 Stunde benötigt, An- und Abstieg nicht mitgerechnet. Der Schwierigkeitsgrad wird mit B bis C angegeben, für kleinere Personen mit D. Diese Kategorisierung stimmt und mit Kindern sollte man nicht in den Steig. Ansonsten können den Steig auch weniger erfahrene Klettersteiger gut bewältigen. Der Ausblick vom hinteren Abschnitt des Hausbergsteigs ist herrlich. Unter einem plätschert der Wasserfall und über den Bergwipfeln leuchtet Reit im Winkl in der Sonne (360°-Foto hier). Hat man den Ausstieg erreicht, dauert der Abstieg über einen Wanderweg bis zum Parkplatz nur noch ungefähr eine halbe Stunde.

Wandern mit Wanderführer Sepp

Früher war er Geschichtslehrer, lebte zwischendurch im großen München und kam dann später zurück in seinen Heimatort nach Reit im Winkl.  Bereits in Rente fragte man ihn, ob er nicht Wanderführer werden wolle. Er willigte ein und sagt nun rückwirkend, dass das der beste Job der Welt sei. Und wenn man den 80-jährigen Sepp so erzählen hört, dann liegt nichts näher, als ihm genau das zu glauben. Seine Lachfalten haben etwas zu erzählen. Und Sepp, dessen Bruder Namensgeber der örtlichen Franz-Haslberger-Schanze ist, ebenfalls. Ich muss mich sputen, um mit dem drahtigen Sepp mitzuhalten, obwohl er weit als doppelt so alt ist, wie ich. Er kennt sich aus, das merkt man schnell. Und das auch abseits der ausgeschilderten Wege, was die Wanderung umso spannender macht. Mal links hoch, mal rechts hinter den Fichten rechts hinunter. Sepp ist so flink zu Fuß und so charmant in seinen Erzählungen, dass die sportliche Betätigung schon fast in den Hintergrund tritt, so sehr lauscht man seinen Erzählungen über Land und Leute, die Zeit nach dem 2. Weltkrieg in Reit im Winkl und natürlich auch was es in der Natur alles zu entdecken gibt. Zum Beispiel, dass Zinnkraut zur  Gruppe der Schachtelhalme gehört. Unsere Wanderung endet wenige Stunden später dort, wo sie auch begonnen hat: an der Tourismus-Info. Und ich bin traurig, dass es schon vorbei ist. Und weil ich in meinem Schulleben keinen so mitreißenden Geschichtslehrer haben durfte, wie Sepp es wohl einer war.

Alpakas am Fluss

Was für ein schöner Zufall, dass unweit von Reit im Winkl, ganz in der Nähe der Talstation zur Seilbahn auf die Winklmoosalm eine kleine Lama- und Alpakafarm liegt. Die „Alpaka Alm“ unter der Leitung von Martina und Klaus van Oepen hat eine schöne Herde mit viel Auslauf in der Nähe des kleinen Flusses „Lofer“. Angeboten werden Alpaka-Wanderungen, Kindergeburtstage, aber auch die hochwertige Alpakawolle (Man sagt Fleece dazu) zur eigenen Weiterverarbeitung. Wer die Alpakawollprodukte gerne schon verarbeitet kaufen mag, der findet im Ort das „Alpaka Stüberl“ mit Schals, Mützen und Dekoartikeln aus diesem tollen Naturprodukt.

Aber zurück zur Alpaka-Wanderung: unsere kleine Wandergruppe bestand nur aus neuweltkarmelidenverliebten „Wiederholungstätern“. Die üblichen Basics („Spucken Lamas?„) konnten wir uns daher sparen sparen und die vier flauschigen Vierbeiner angeleint am Fluss entlang führen. Wen das Lama- und Alpakafieber noch nicht gepackt hat, der sollte unbedingt mal eine Wanderung wagen. Das unglaublich flauschige Fell und die riesengroßen, treuen Augen erweichen schnell jedes Herz. Dem Anfänger sei jedoch gesagt: Kuscheltiere, die ununterbrochen und am ganzen Körper gestreichelt werden möchten, sind es nicht. Lamas und Alpakas haben meist gerne ein bißchen Abstand. Auch wenn es nicht meine erste Wanderung mit diesen Tieren war, so war es doch meine erste am Fluss. Und so lernte ich zusammen mit den Mitwanderern, dass es manche Alpakas gibt, die sich gerne bei heißem Wetter im Flussbett abkühlen. Die ruhige Wanderung war genau das Richtige, um Kraft zu sammeln für den nächsten Tagesordnungspunkt, denn der bedeutete Action!

Elektrisierende Mountainbike-Action zur Rötelmoosalm

Mountainbike? Kenn ich. Pedelec? Kenn ich. Dachte ich jedenfalls. Pustekuchen! Zunächst aber von vorne. Wer in Reit im Winkl Mountainbiken möchte, der findet verschiedenste MTB-Routen von leicht bis schwer. Wer das eigene Rad nicht mitbringen mag, der kann sich vor Ort sehr gute Mountainbikes leihen. Selbstverständlich mit und ohne Motor.

Wanderführerin Marlies und ich erhielten an diesem Tag zwei flammneue Hardtails mit ebenso neuem Shimano Steps 8000-Antrieb mit zwei montierten Akkus für die extra lange Reichweite. Der Weg war zum Eingewöhnen erst flach und die Räder bewiesen auch hier schon, was in ihnen steckt. Am Berg bewiesen die beiden Boliden aber so richtig, was das Wesen vom E-Mountainbiken ausmacht: der Motor schiebt in der höchsten Unterstzützungsstufe fast lautlos und trotzdem gnadenlos in Richtung Himmel. Es machte so unfassbar Spaß, dass wir zwischendurch anhalten mussten, weil wir beide so laut lachen mussten. Während man sich ohne Motor eher langsam einen Anstieg hinaufkurbelt, um dann bergab mit erhofftem Flow hinunterzugleiten, ist es mit dem Steps-Motor auch bergauf so zügig und mühelos, dass das Wort Uphill-Flow wahrlich keine Übertreibung ist. Der Motor regelt erst bei 25 km/h ab, was bergauf verglichen mit einem unmotorisierten Rad eine geradzu irre Geschwindigkeit ist. Bergab schiebt die Hangabtriebskraft und ie eigene Pedalkraft natürlich gerne auch schneller, bis die Obergrenze des eigenen Mutes beherzt in die Bremsgriffe fassen.

Höhepunkt und Pause der Tour war der Besuch auf der bezaubernden Rötelmoosalm mit einem obligatorischen Kaiserschmarrn, bevor es vor traumhafter Kulisse in einem großen Bogen wieder zurück in den Ort ging. Was für eine tolle Tour!

Fazit

Was für grandiose Tage! Reit im Winkl ist im Sommer definitiv eine Reise wert und bietet neben im tollen Bergpanorama des Chiemgaus und verschiedensten Aktivitäten auch tolle Unterkünfte und Restaurationen. Für Tagesausflüge erreicht man von hier aus auch schnell zum Beispiel Salzburg in Österreich oder den malerischen Chiemsee. Aber nicht nur die Sommermonate sind reizvoll. Auch im Winter bietet sich Reit im Winkl als Destination für allerhand Wintersport-Aktivitäten an. Und wer weiß, vielleicht dürfen wir auch irgendwann persönlich davon berichten…


Info

Die Kosten für diese Reise wurden von Reit im Winkl-Tourismus übernommen. Diese Kostenübernahme ändert selbstverständlich nichts an der neutralen Berichterstattung. Ein Honorar wurde nicht gezahlt.

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