Paragliding – Erste Flugversuche

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„Die Luftsportart Gleitschirmfliegen bezeichnet das Gleitsegeln mit einem Gleitschirm. Der Pilot sitzt dabei in einem Gurtzeug unter dem Gleitschirm und ist mit diesem durch Leinen verbunden.“

So weit die Erklärung bei Wikipedia. Nun zur Praxis:

Heute in der Früh ging es zum Gelände des Sky Teams Neuss e.V. zwischen Grevenbroich-Kapellen und Neuss-Holzheim, auf dem die Jungs von Flatland Paragliding regelmäßig Schnupperkurse veranstalten, die es den Teilnehmern ermöglichen, einen Einblick in den Flugsport zu bekommen.

Das Gelände nahe der Raketenstation Hombroich ist eine 1,2 km lange Strecke, auf der die Piloten mit Hilfe einer Schleppwinde in die Luft gezogen werden. Diese Art von Starts beim Paragliding waren mir bisher noch nicht bekannt, denkt man doch gerne bei Paragliding an Piloten, die in den Bergen von Abhängen starten.

Nach einer kurzen Einweisung in den Aufbau eines Gleitschirms und dem Aufteilen der Ausrüstung durch unseren Fluglehrer Horst ging es auch ziemlich bald an die ersten Startversuche. Anders als man Starts von Gleitschirmflügen an den Stränden des Mittelmeeres kennt, bei denen man in einen Schirm eingeklinkt und von einem Boot hochgezogen wird, sind Starts aus dem Lauf mit Kraftaufwand und Techniken verbunden, die es erst einmal zu erlernen hieß. Bei brütend heißen 28°C und leichten Winden gar nicht so eine einfache Sache, den Schirm in die Luft zu bringen – und auch oben zu halten! Immer wieder kippte der Schirm weg, machte man Fehler beim sog. „Unterlaufen“ oder musste sich erst an die Lenkung des unbekannten Sportgeräts gewöhnen. Nach einigen Versuchen am Boden waren aber sichtliche Erfolge in unserer kleinen fünfköpfigen Anfängergruppe zu erkennen.

Es folgte ein Theorieteil durch den Fluglehrer – und den Fluganfängern war die Erschöpfung bei dieser Pause deutlich anzusehen…

Nach dem Theorieteil folgten noch etwa drei bis vier Starts am Boden, bis uns der Fluglehrer an die Schleppwinde entließ. Die Ausrüstung, bestehend aus Schirm, Gurtzeug, Helm, Handschuhen und knöchelhohem Schuhwerk wurde gepackt und in einen Wagen geladen, dann ging es auf die andere Seite des Geländes, wo den ganzen Tag über schon Flugprofis und -schüler starteten. Kaum dort angekommen prasselten die ersten Regentropfen auf’s Autodach, die uns zu einer 15-minütigen Pause im Wagen zwang. Erste Zweifel traten auf, ob wir einen Start überhaupt wagen konnten.

Als sich die Sonne aber dann wieder von ihrer besten Seite zeigte, ging es ans Auspacken und Zurecht legen des Schirms und des Gurtzeugs – und ein kleines bisschen Nervosität machte sich breit! „Ich soll jetzt alleine fliegen?“

Etwas ruhiger wurden alle, als ihnen ein Funkgerät überreicht wurde, über das zwei Fluglehrer die Kommandos an die Piloten geben konnten. Kurz noch eine Einweisung zum sog. „Ausklinken“ vom Fluglehrer im Startbereich und los ging’s! Der erste Startversuch ging natürlich in die Hose, denn beim Schleppstart gilt es zu beachten, wann man los läuft: Ist das Seil zu wenig gespannt, wird der Pilot nicht rechtzeitig in die Luft gezogen. Also noch einmal den Schirm zurecht legen.

Nachdem alle 5 Punkte des Startchecks durchgegangen waren, ging es an den zweiten Versuch – und der glückte! Schon nach enigen Metern verlor ich den Boden unter den Füßen. Ein Wahnsinnsgefühl, wenn man den Luftraum sonst nur aus einem Urlaubsflieger kennt.

Im sog. „Flachschlepp“ flog ich die 1,2 km lange Strecke in etwa 60 – 70 Metern Höhe auf den Wagen der Schleppwinde zu. Ein unbeschreibliches Gefühl. Etwa 200 Meter vor dem Landepunkt erhielt ich das Kommando „Ausklinken“ – und jetzt wurde es spannend, denn den zweiten Fluglehrer an der Schleppwinde konnte ich über das Funkgerät überhaupt nicht verstehen. Da man in der Luft aber ein viel besseres Gefühl für die Lenkung des Schirms bekommt und ich genau das auf den bereits zurück gelegten 1.000 Metern ausprobieren konnte, tat ich genau das richtige und landete direkt neben der Schleppwinde.

Zur Landung sei gesagt, dass (so erzählte man mir dann) viele Anfänger instinktiv die Füße nach vorne nehmen, da sie meinen, man müsse den Anflug abbremsen. Das tat ich also auch – und landete auf dem durch Protektoren geschützten Hintern, was meine Euphorie aber nicht bremste. Aber seht selbst:

Alles in allem war dies ein wirklich gelungener Tag in einer durchaus netten Runde. Vielen Dank noch einmal an die Jungs von Flatland Paragliding und die vielen Profis, die stets hilfreich zur Seite standen. Wenn jetzt erst einmal der Grundkurs und die A-Lizenz erworben sind, werden wir wohl noch öfter den Boden unter den Füßen verlieren 😉

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3 KOMMENTARE

  1. Wow. Das schreit nach Nachahmung. Das muss echt super sein. Ich muss mir später mal anschauen, was sowas kostet und wo man es hier machen kann.
    Ich wünsche dir viel Spass bei den nächsten Versuchen und dem Erwerb deiner Lizenz.

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