So gelingt die Wanderung mit Kindern – 10 Tipps

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Der Frühling ist endlich da und es geht wieder vor die Tür, für manche Kinder zum ersten Mal in ihrem Leben. Damit die erste Wanderung mit dem Nachwuchs nicht zur Geduldsprobe für die Eltern und einem Horrortrip für die Kleinen wird, gibt es hier ein paar Tipps von mir.

1Abwechslungsreiche Strecken

Bäche, Wälder, Wiesen, hier und dort mal ein paar Tiere, ein Spielplatz, ein Restaurant – je mehr „Natur-Entertainment“ den Kleinen auf einer Wanderung geboten wird, desto eher lassen sie sich darauf ein. Da Kinder sich nicht an schönen Panoramen oder der Stille des Waldes erfreuen können, sind sie ständig auf der Suche nach etwas Neuem. Je mehr Abwechslung, desto besser. Ein definiertes Ziel wie ein Spielplatz, ein Restaurant, eine Bademöglichkeit oder ähnliches bieten ganz besondere Reize.

2Strecken- und Zeitangaben überdenken

Oft gibt es für Wanderungen Kilometer- und Zeitangaben, die jedoch überdacht werden müssen, sobald Kinder mit bei der Wanderung sind, denn die Kleinen legen durch ihren Entdeckungsdrang wesentlich mehr Meter als wir Erwachsenen zurück. Sie laufen im Zickzack durch den Wald um jedes Blatt zu erkunden und sammeln Nüsse, Stöcke und Steine mal hier und mal dort. Das drosselt das Tempo und so sollte man für eine Wanderung mit Kindern das 1,5 bis 2-fache der kalkulierten Wanderzeit einplanen.

3Utensilien für die kleinen Entdecker

Ob Fernglas, Lupenglas oder ein Taschenmesser (Zu empfehlen: Das Opinel-Kindermesser mit abgerundeter Spitze) – Kinder sind für alles dankbar, was Mama und Papa zum Entdecken der Umwelt mit sich schleppen. Die meisten Produkte sind leicht, gut verstaubar und kosten nicht viel, wecken aber die Neugier der Kleinen und beschäftigen sie für eine lange Zeit. Auch die Lieblingsspielzeuge sollten nicht fehlen. So haben wir immer Seifenblasen dabei, eine Art Geheimwaffe, falls unsere Damen partout nicht mehr möchte 😉

4Spiele und Lieder muntern auf

„Das Waaaaaandern ist des Müüüüllers Lust“… Wie oft habe ich diesen Klassiker als Kind mit meinen Eltern gesungen? Und auch heute noch wird bei unseren Wanderungen viel gesungen und gespielt. Als Lieder eignen sich die aktuellen Lieblingslieder der Kinder, für Spiele haben sich bei uns die Klassiker „Ich sehe was, das du nicht siehst“ und „Verstecken und Fangen“ durchgesetzt. Vor allem, wenn die Strecke keine Highlights hergibt, muntern Spiele die kleinen Wanderer besonders auf.

5Regelmäßige Pausen

Wie bereits erwähnt, legen Kinder das Vielfache der geplanten Wanderstrecke zurück. Ausreichende und regelmäßige Pausen sind daher sehr wichtig, um die Energiespeicher der Kleinen wieder aufzufüllen. Eine Lichtung, ein urig gewachsener Baumstamm oder ein flaches Ufer sind der ideale Ort für eine Pause. Hier können die Kinder die Natur beobachten, während sie ihre Brotzeit zu sich nehmen. Unbedingt an ausreichend Nahrung und vor allem Flüssigkeit denken!

6Ein eigener Rucksack für die Kleinen

Steine, Blätter, Stöcke, Schneckenhäuser, Nüsse, Bucheckern, Moos… Es gibt einfach nichts, das Kinder auf einer Wanderung nicht sammeln wollen. Alles ist für sie irgendwie wichtig und muss (!) mitgenommen werden. Bei uns hat sich ein eigener Rucksack bewährt, den unsere Tochter mit 2,5 Jahren bekommen hat. Darin kann man alles mitnehmen, was gesammelt wird. Unsere kleine Wanderdame ist mit dem Vaude Ayla 6 unterwegs und stolz wie Bolle, dass sie ihre gesammelten Werke selber tragen kann.

7Reihenfolge bei Auf- und Abstiegen

Bei Auf- und Abstiegen ist es natürlich am praktikabelsten, wenn ein Elternteil voran, das andere hinterher geht. So sind die Kinder bestens beaufsichtigt. Ist man allerdings alleine mit Kindern unterwegs, ist die Beaufsichtigungssituation nicht mehr so komfortabel. Geht es dann bergauf, geht Mama oder Papa hinter dem Nachwuchs. So sind die Kleinen stets im Blick. Bei Abstiegen geht man als Erwachsener voran, um die Kleinen zu bremsen. So erspart man sich ein Wettrennen ins Tal, sollte dabei aber stets in Reichweite der Kinder sein, um ihnen mit Hilfestellungen helfen zu können.

8Wetterbedingungen

Eins sollte eigentlich klar sein: Eine Wanderung mit den Kleinen bei Regen macht nicht nur den Eltern keinen Spaß. Die Kinder werden es vermutlich hassen! Es gilt also vor jeder Unternehmung, den Wetterbericht zu studieren und gegebenenfalls die Kleidung auf die anstehende Aktivität abzustimmen. Ein Paar Gummistiefel haben wir immer dabei, wenn es vor der Wanderung geregnet hat, denn Pfützen sind ein idealer Spielplatz für unsere Tochter. Womit wir auch schon beim nächsten Punkt wären.

9Bekleidung oder Wechselklamotten

Wie auch bei den Erwachsenen hat sich bei den Kindern ebenfalls das Zwiebelprinzip bewährt. Wird es kälter, zieht man mehr Schichten an, bei vermehrten Sonnenstrahlen entblättert man die Kleinen wieder. Sicher kann Funktionsbekleidung auch beim Nachwuchs Sinn machen, allerdings ist ein Paar Wechselklamotten eigentlich unabdinglich. Das heißt zwar, dass Mama oder Papa etwas mehr tragen müssen, aber wenn man dadurch ein nasses und quengelndes Kind auf einer Berghütte umgehen kann, tut man das gerne.

10Einen Plan B haben

Ist der Nachwuchs überhaupt nicht für’s Wandern zu begeistern oder spielt das Wetter unerwarteter Weise nicht mit, ist es immer sinnvoll, einen Plan B zu haben. Einkehrmöglichkeiten auf der Route, ein Tierpark, ein Spielplatz oder ähnliches retten so den Tag. Die eigenen Ziele stehen bei einer Wanderung mit Kindern immer hinten an. Und wenn die Kleinen mal nicht mehr können, hat es sich bei uns bewährt, immer eine Kindertrage dabei zu haben. Darin lässt es sich prima schlafen, während Mama und Papa ein bisschen Wegstrecke gut machen können 😉

Schlusswort

Wie ihr sicher selber wisst, hat jedes Kind seinen eigenen Kopf und seine ganz eigene Komfortzone. Während der oder die eine das Planschen im Wasser über alles liebt, kann ein anderes Kind schon beim Anblick von Pfützen Reissaus nehmen. Daher bitte ich euch, die Tipps jeweils auf euer Kind abzustimmen und ggf. zu überdenken.

Bei uns hat sich im Laufe der letzten Jahre gezeigt, dass unsere kleine Dame sich draußen sehr wohl fühlt. Ob das daran liegt, dass wir sie schon als Baby durch die Natur und auf Berge geschleppt haben, kann ich nicht beurteilen, denn eine gewisse Basis an Naturverbundenheit, Entdeckertrieb und Spielfreude steckt wohl in jedem Kind.

Habt ihr auch schon Erfahrungen bei Wanderungen mit eurem Nachwuchs sammeln können oder kennt ihr einen Trick, wie ihr die Kleinen besonders motivieren könnt? Oder ist der Nachwuchs überhaupt nicht für das Wandern zu begeistern? Welche Bekleidungsstücke haben sich bei euch als Standardbekleidung durchgesetzt und was nehmt ihr zur Bespaßung der Kleinen mit? Ich freue mich auf eure Kommentare.

11 KOMMENTARE

  1. Ich lese solche Artikel wie diesen hier besonders gerne.
    Meine Enkelin ist nun 2 Jahre und 4 Monate, eine absolut eifrige Wanderin, die auf jeder Tour Unmengen an „Wandernstöcken“ findet und mit schleppt (oder Oma)

    Trage hat sich nicht bewährt, weil dieses kleine Krabbeltier unentwegt auf den Füßen ist und nicht in so ein Gestell, auch nicht in den Buggy möchte, also bleiben die Strecken kurz (3km rennt sie aber locker). Da ich Oma bin reichlich Gelegenheit zum allein wandern habe, ist das auch vollkommen gleichgültig.

    Mitnehmen müssen wir ausser Nahrung, Wasser, Windeln und Wechselkleidung, kein Spielzeug, das „kauft“ sie sich im Wald (Spruch des Jahres „Ich will Blätter kaufen“)

    Kleidung muss bequem sein, also nichts zwackt und drückt, Schuhe stabil und strapazierfähig. Bei REgen auch mit Matschhose, sie liebt Regen und Pfützen – Mützen sind doof, also Haare bei der Gelegenheit nass.

    Zwischenstation, die meist Hauptstation sind – Spielplätze und Tiergehege – klar.

    Der Rucksack ist vorgemerkt, den kriegt sie gelegentlich 🙂

    Viele liebe Grüße und weiter viel Spaß auf euren Touren
    Elke

    • Hi Elke,

      „Wanderstöcke“ haben wir auch schon ein ganzes Arsenal zu Hause. Das scheint wohl bei allen Kindern gleich zu sein.

      Freut mich, dass deine Enkelin auch schon so gut zu Fuß ist.

      Auch auch weiterhin viel Spaß bei euren gemeinsamen Touren.
      LG Axel

  2. Deine 10 Tipps haben sich auch bei uns bewährt. Als Utensilien muss immer Lupenglas und Schnitzmesser mit. Daneben haben wir auch immer ein paar Süßigkeiten dabei, um unsere Kinder bei einem Motivationstief ein wenig zu „bestechen“. Außerdem mache ich meine Kinder auf Tiere und besondere Pflanzen aufmerksam und sorge so für ein wenig Ablenkung. Und auch ein Geocache am Wegesrand sorgt für Abwechslung und viel Spaß.

  3. Danke für die tolle Auflistung, die Seifenblasen nehme ich mir als Idee mit. Ergänzen kann ich aus Erfahrung noch einen kleinen Aquarienkescher für ein paar Euro. Der wiegt nichts und lässt sich mit der Becherlupe ebenfalls gut verwenden, sobald Wasser in der Nähe ist…

  4. Die Kindervariante des Opinel-Messers finde ich nicht sonderlich empfehlenswert, der Mechanismus zum feststellen ist für kleine nicht leicht zu bedienen und wenn die Klinge nicht richtig festgestellt ist wird es gefährlich. Da ein Handschutz fehlt besteht auch immer die Gehfahr mit der Hand nach vorne in die Klinge zu rutschen. Ein gutes Beispiel für eine feste Klinge, Handschutz und ebenfalls eine abgerundete Spitze ist das Kindermesser von Mora (z.B. hier: https://www.mein-taschenmesser.de/schnitzmesser/mora/mora-kindermesser-klein/a-4/ ).

    Sonst sind das tolle Hinweise für Wanderungen mit Kindern. Und wie schon erwähnt, Geochaches wirken Wunder auf die Motivation 🙂

  5. Ein Klasse Artikel! Wir suchen uns Wünschelruten, wenn die Motivation sinkt, und plötzlich ist wieder ganz viel Kraft in den Beinen, Was die alles finden!

  6. Hi,
    ich ergänze da gerne noch das Blumen- oder Baumbestimmungsbuch. 🙂
    Da lernen sogar die Erwachsenen etwas.

    Das Tolle ist, dass man darüber auch diskutieren kann. Heißt, dass man die Bestimmung über ein paar Minuten hinweg (auch wenn man schon weiter gegangen ist) noch im Kopf hat. Denn es gibt ja nichts Anstrengenderes, als jede Minute etwas neues „Interessantes“ aufzutun. 🙂

    • So ein Bestimmungsbuch ist eine feine Sache. Ich habe vergangenes Wochenende bei einem Kurs wieder viele Pflanzen kennen gelernt, die man sogar essen oder als Tee trinken kann. Wenn’s mich schon fasziniert, begeistert’s Kinder garantiert auch.

  7. Hi Axel.
    Toller Bericht. Nächstes Jahr ist es bei uns wahrscheinlich auch soweit, dass Ilias mehr Entertainment braucht als bisher. Wir werden dann berichten was bei uns die Wanderungen für den Kleinen spannend macht.
    Grüße Chris

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