Über weite Eifelhöhen zum Matronenheiligtum bei Nöthen … und ein Hund

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Über weite Eifelhöhen zum Matronenheiligtum bei Nöthen

Vor kurzem erst kam ich gar nicht mehr aus dem Schwärmen. Meine erste Natur Aktiv Erleben-Wanderung fand zwar im Dauerregen statt, aber die Strecke hatte es mir angetan. Nun folgt schon die nächste NAE-Wanderung – und wieder kommt ein Tier darin vor.

Dieses Mal verschlug es mich an den Rand des kleinen Örtchens Pesch, gelegen im Dreieck zwischen Bad Münstereifel, Mechernich und Nettersheim. Hier startet an einem Wanderparkplatz die Tour Über weite Eifelhöhen zum Matronenheiligtum bei Nöthen von Natur Aktiv Erleben. Dort parke ich mein Auto und mache mich auf den Weg entlang des Wespelbachs, der mich die nächsten 2,5 km begleitet. Die Herbstsonne scheint zwar hell, aber ich spiele mit dem Gedanken, mir ein paar Handschuhe anzuziehen, denn mit 4°C ist es nicht gerade warm.

Weitere 2 km geht es durch den Wald leicht hinauf, dann erreiche ich eine weite Landschaft mit ordentlich Fernblick. Ein paar Hügelchen gilt es noch zu meistern, dann erreiche ich nach gut 5 km eine Landstraße und halte kurz inne, denn ich kann fast 360° um mich herum weit über die Hügel der Eifel Blicken. Was für ein Panorama! Wahnsinn.

Weiter geht es über den mit 530 m höchsten Punkt der Tour und vorbei an einem Windrad. Ich biege links ab und wandere über weite Felder, immer wieder geht es kurz bergab und bergauf, bis ich aus der Ferne den Bauernhof sehe.

Ich sehe nicht irgendeinen Bauernhof, nein ich sehe DEN (!) Bauernhof. In der Beschreibung der Streckenabschnitte bei NAE wird ausdrücklich vor „Rex“ gewarnt, einem riesigen Schäferhund, der den Hof seines Besitzers sehr gut bewacht. Zum Glück ist eine Alternativroute dort angegeben, damit man den Bauernhof an der Straße nach Frohngau großräumig umgehen kann. Und für diese Variante entscheide ich mich dann auch. In den Kommentaren zur Tour ist sogar von einem Wanderer zu lesen, dass Rex ihm ins Hosenbein gebissen hat. Das muss ich nicht unbedingt haben und gehe auf Nummer Sicher.

WildgänseNoch während ich den Bauernhof im Augenwinkel habe, zieht ein Schwarm Wildgänse über den Hof und schnattert so laut, dass man meinen könnte, sie wollen mich vor Rex warnen. Ich muss kurz stehen bleiben und die Situation wirken lassen. Und den Hof mitsamt der Gänse im linken Auge, habe ich Roderath bereits im rechten Augenwinkel. Das Dorf scheint durch das rote Laub einiger Bäume hindurch und die Kirche ist schon von Weitem zu sehen. Über einen mit Gras bewachsenen Weg und eine asphaltierte Straße geht es dann durch ein kleines Tal hinauf nach Roderath. Hier hat man die Möglichkeit, 400 m abseits des Weges im Gasthof „Zum Jägerstützpunkt“ einzukehren. Da ich mich im Voraus auf der Webseite über die Öffnungszeiten erkundigt habe, bleibt eine warme Mahlzeit heute aber aus, denn der Gasthof hat heute geschlossen. Also biege ich noch einmal auf einen Weg am Wiesenrand ein, der mich kurz danach in ein Waldstück bringt. Ich tauche in das bunte Laub ein und wandere ein paar hundert Meter über verwachsene Pfade, dann gelange ich nach einer Rechts-links-Kombination an den Rand eines anderen Waldstücks, an dessen Ende ich eine Bank finde, auf der ich meine Mittagspause verbringen will. Gut 9 km stecken jetzt schon in den Knochen und ich lasse es mir bei Kaffee und Broten gut gehen, genieße dabei den Ausblick auf Holzmülheim und Langscheid.

Ab hier gibt es wieder die Möglichkeit, eine alternative Route einzuschlagen. Auch das mache ich dieses Mal, denn die Wiese, über die die „normale“ Route führen soll, wird gerade vom Bauern frisch mit Jauche gedüngt. Auch das muss ich nicht unbedingt haben und laufe parallel zur Wiese ein kurzes Stück durch den Wald und erreiche dann eine asphaltierte Straße, der ich ein Stück talabwärts folge. Dann geht es über eine Wiese, wo man den Weg wirklich kaum erkennen kann. Ich peile ein Waldstück auf dem GPS-Gerät an und schlendere langsam talabwärts, dann geht es über einen Feldweg, quer über eine Landstraße und an einer Weggabelung nehme ich den rechten von zwei links abbiegenden Wegen und umrunde den Ort Bouderath.

Oberhalb von Bouderath lasse ich eine wirklich sehr romantisch gelegene Bank mit einem fantastischen Ausblick links liegen, denn hinter mir braut sich anscheinend ein Unwetter zusammen. Ich drehe mich um und sehe, wie die Sonne versucht, sich einen Weg durch die dicken dunklen Wolken zu bahnen. Dann lege ich eine Schippe drauf und gebe noch einmal Gas.

Matsch überallEs geht eine Straße hinab nach Bouderath und bevor ich in den Ort komme, biege ich rechts ab und folge einem kleinen Bach am Ortsrand in nördliche Richtung. An einem Pferdeunterstand muss ich mich durch eine dicke Matschpfütze kämpfen und mir den ziemlich schmalen und zerfahrenen Weg mit einem Holztransporter teilen, der den Weg nur noch kaputter fährt. Für mich geht es links ab am Kolvenbach entlang, den ich aber auch schon bald überquere und bergauf in Richtung eines Fußballplatzes und einer Grillhütte wandere. Dort überquere ich eine Landstraße und kann noch einmal auf Bouderath schauen. Ich tauche in den Wald hinter dem Fußballplatz ein und überquere den Schlierbach, dann geht es erst einmal einige hundert Meter durch das Laub auf den breiten Forstwegen.

Im Wald passiere ich einen Unterstand und den Gotteswald Nöthen, dann öffnet sich die Landschaft und ich erreiche das Horntal, durch das der Hornbach fließt. Nach einer Weile biege ich links ab und erblicke hinter einer Schranke drei riesige Pilze auf einer Wiese, komme aber nicht nah genug heran um sie zu identifizieren. Dann sind es nur noch wenige Meter bis zur römischen Tempelanlage auf dem Addig. Und hier am Heidentempel passiert es dann: Kurz vor dem Ende der Tour fällt mir die Kamera hin. Meine EOS 400D knallt laut, als sie auf den Boden aufschlägt. Aber zum Glück ist „nur“ das Objektiv verbogen. Mit meiner kleinen Digitalkamera mache ich noch ein paar Fotos von den Fundamenten des Tempelbezirks und steige dann über schmale Pfade hinab zum Parkplatz.

Fazit

Die gesamte Route ist bei NAE natürlich wieder wahnsinnig gut dargeboten und aufbereitet. Genau so muss man Touren veröffentlichen, wenn man will, dass andere Wanderer sie problemlos nachwandern wollen. Absolute Spitzenklasse.

Die abwechselnden Wege reichen bei der Tour von Forst- über Feldwege, grasbewachsene Wege, Wiesen, schmale Pfade und asphaltierte Straßen. Alle Wegbeschaffenheiten halten sich super die Waage, so dass es nie langweilig wird.

Besonders zu erwähnen sind die Ausblicke, die man auf die einzelnen Eifelort und die Landschaft hat. An vielen Stellen muss man einfach stehen bleiben und das Panorama genießen. Viele Bänke laden zu ausgedehnten Pausen ein. Und da wären wir beim Thema:

Bereits zu Beginn der Wanderung ist mir die immens hohe Anzahl an Bänken aufgefallen. Wer nicht so gut zu Fuß ist, hat auf jeden Fall genug Punkte, an denen er sich ausruhen kann. Alle Bänke sind in der GPS-Datei von NAE markiert. Ab Bank Nr. 4 habe ich jede Bank entlang des Weges einmal portraitiert, wobei ich sicher die eine oder andere übersehen habe. Die, die ich nicht übersehen habe, stelle ich euch hier gerne vor:

Ansonsten ist die Tour aufgrund ihrer Länge von ca. 17 km als mittelschwer einzustufen. Die insgesamt 360 hm Anstiege sind allesamt nicht so knackig, dass sie nicht für jeden machbar wären. Sie verteilen sich ganz gut auf die Länge der Strecke, zum Ende hin geht es eigentlich nur noch bergab.

Wer eine Tour mit viel Ausblick sucht, sollte sich an diese Tour wagen, denn wenn die Eifel eins hat, dann ganz viel Panorama.

Weitere Bilder

Links

  • Die Fotos zu der Tour gibt es mit einigen Kommentaren auch wieder bei Facebook.
  • Die Strecke gibt es mit GPS-Daten wie immer bei kommot, dieses Mal allerdings mit einem kleinen Fehler, der aber für die Navigation unerheblich sein sollte.
  • Die Tour inklusive der kompletten Beschreibung der Teilstreckenabschnitte, GPS-Daten usw. gibt es bei Natur Aktiv Erleben.
  • Unterwegs kann man in Roderath im Gasthof „Zum Jägerstützpunkt“ einkehren. Es empfiehlt sich, sich vorher über die Öffnungszeiten zu informieren, denn die sind nicht geregelt.

Karte

5 KOMMENTARE

  1. Geniale Idee mit den Banken 😉 Das Matronenheiligtum kommt mir irgendwie bekannt vor. Allerdings war ich damals eher auf der „Durchreise“. Danke für die schönen Bilder!

    • Danke. Die Idee mit den Banken ist mir spontan gekommen, weil’s so viele waren. Konnte den Tempelbezirk nicht so wirklich wirken lassen, da der Kamera-Crash mir irgendwie zu schaffen gemacht hat, aber schön ist’s da auf jeden Fall.

  2. Hihihi, lustige Idee mit den Bänken.
    Unser Hund steuert jede Bank am Wegesrand gezielt an und macht uns darauf aufmerksam. Ich glaube in seinem Wanderkonzept ist „Bank“ abgespeichert mit „Ausruhen“, „Streicheleinheit“ und „Futterbröckchen“. Wir hätten also ganz schön zu tuen, ihn immer wieder von den Bänken wegzurufen 😉
    Die Bilder und dein Bericht klingen ja wirklich gut. Vielleicht auch mal eine Route für uns. Die Eiefl im herst ist einfch herrlich.

    LG Alex

  3. Der anregende Bericht über die Eifelwanderung ist inzwischen ja nicht mehr neu, ich bin aber gerade erst -bei der Suche nach Informationen über den Gotteswald Nöthen – darauf gestoßen.
    Hat schon jemand darauf aufmerksam gemacht, dass es sich bei den „Gänsen“ um Kraniche handelt? Das Foto hat dann meinen Verdacht bestätigt. Ich bin immer wieder beglückt, wenn die Kraniche im Herbst und Frühling – die ersten haben wir vor einer Woche gehört und gesehen – über unser Dorf in der Voreifel ziehen!

    Viele Grüße und Dank für die Wegbeschreibung!

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