Harz: vom ‚Sich finden‘ und ‚Sohlen verlieren‘

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Harz. Dunkel, karg und neblig, wie viele Beschreibungen ihn schon ankündigen. „Da wollen mich meine Eltern immer zum Entspannen hinschicken,“ sagt mein Bekannter, „aber ich will da noch gar nicht hin!“ Man erinnere sich: Einen ähnlichen Kommentar gab’s auch schon zur Schwarzwald-Tour. (Und ich hatte trotzdem Spaß!)

Auf dem Weg zur Rabenklippe im Harzgebirge

Ich habe mir das am Montag ganz spontan überlegt, meine Eltern in den Harz zu begleiten. Bad Harzburg, um genau zu sein. Einfach mal raus. Den Kopf frei bekommt man beim ‚Outdooren’ bekanntlich am besten. Angeblich muss es dafür ja nicht immer ganz weit weg gehen … Also mal sehen, ob das auch im Harz-Gebirge klappt.

Kaiserschmarrn hilft auch, den Kopf frei zu bekommen 🙂

Nun, wenn wir einmal ehrlich sind: Der Bär tanzt hier nicht. Unser Hotel bietet zwar tolles Essen, aber präsentiert sich innerlich wie äußerlich im 60er-Jahre-Schick mit Schmuck-Vitrinen im Foyer, Kegeln als DEM Highlight am Wochenende und am Samstagabend ist um 20 Uhr anlässlich der Schlager-Tanzveranstaltung (‚Angemessene Kleidung im Kristallsaal gewünscht!’) bereits Essens-Ende.

Moos

Trotzdem: Wer wandern möchte, kann hier einiges erleben. Am Samstag waren wir unterwegs zur ‚Rabenklippe’. Viele Leute hatten ähnliche Ambitionen und Ziele. Auf dem Weg konnten wir von Weitem den ‚Brocken’ (auch genannt: Blocksberg) sehen, nachdem es mit der Seilbahn empor ging. Der Brocken ist der höchste Berg im Harz (1142 m) und bereits auf ehemaliger DDR-Seite (wir gehen auf ehemals westlicher Seite). Auf seiner Spitze waren vor 1989 zwei große und leistungsfähige Abhöranlagen – genutzt zu umfangreichen Spionagezwecken. Teilweise sind die Anlagen zurückgebaut worden, teilweise sehen wir sie noch heute aus der Ferne, wenn der weiße Nebel im Hintergrund die Berg-Silhouette untermalt.

 

Aus der Ferne erkennt man auf der Spitze des Brockens die Reste der Abhör- und Spionageanlgen

Schwierig wird’s im sonst wander-einsteigerfreundlichen Harzgebirge auch dann, wenn die Sohlen der Wanderschuhe sich verabschieden … Nun haben auch bekannte Markenschuhe nach 13 Jahren ein gewisses Alter erreicht, wo man mit diesem Verlust einmal rechnen muss. Während meine neuen Hanwag’s ihr Debut feierten, erklärten die Schuhe meines Vaters jedenfalls ihren Abgang. Interessant ist der Schuh-Aufbau. Nach mehr und mehr Metern auf dem Rückweg verließen die einzelnen Elemente ihren ursprünglichen Bestimmungsort und wir konnten das Innere des Schuhs genau unter die Lupe nehmen (wir haben nichts in der Natur liegen lassen, keine Angst!). Mein Vater sagt: „Nichtsdestotrotz sind die Notlauf-Eigenschaften meiner Schuhe ziemlich gut!“ Bis zum Hotel war er auf der vorletzten Ebene kurz vor Socke angekommen – aber eben nur kurz davor. Na dann!

 

Die Sohlen fallen langsam ab und wir lernen, wie ein Schuh im Inneren der Hülle aussieht!

Insgesamt bietet das Harzgebirge viele Wanderziele und mit Spielplätzen, Luchsgehegen und Info-Ecken spannende Spots für Kinder. Auch wenn ‚Sich finden‘ und die ‚Sohlen verlieren‘ im Kontrast zueinander stehen mögen, machen zahlreiche Wellness- und Outdoorangebote beides möglich.

Die Rabenklippe

Viele Besucher am Luchsgehege warten auf die Fütterung

Hinweis
Bei den meisten Markenherstellern können Wanderschuhe für ca. 50 Euro neu besohlt werden und es muss nicht direkt ein neues Paar Schuhe her. Einfach einschicken bzw. an den Fachhändlers des Vertrauens wenden!

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Das gleiche studiert wie Axel, gelandet am Schreibtisch wie Jörg. Ich würd' mal sagen die Mischung macht's! Und das ist auch das was mich reizt: Die Abwechslung, neue Länder zu erfahren und deren Essen zu schmecken, neue Sportarten auszuprobieren und die Umwelt aus neuen Perspektiven zu sehen oder Design und Architektur und wie beides die Gesellschaft zu unterschiedlichen Epochen beschreibt - und bei allem der Austausch mit Freunden und Fremden.
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5 KOMMENTARE

  1. Liebe Jana,

    witziger Beitrag 🙂 Das mit den Sohlen ist mir auch schon passiert…

    In Bad Harzburg gibt es inzwischen einige tolle Ziele, finde ich. Zum Beispiel das Aussichtsreich auf dem Burgberg (http://www.monika-herbst.de/2015/02/22/burgberg-frühstück-mit-aussicht/) und den Baumwipfelpfad (http://www.monika-herbst.de/2015/05/09/baumwipfelpfad-bad-harzburg-grüner-wird-s-nicht/). Ich mag ja auch die alten Villen aus der Jahrhundertwende total gerne… (http://www.monika-herbst.de/2015/04/01/imposante-bäderarchitektur-in-bad-harzburg/)

    Vielleicht zieht es dich ja doch nochmal hin 🙂

  2. Schöne Bilder und toller Bericht! Das Harzgebirge hat es doch immer wieder in sich! Liebe Grüße vom Fahrradhelm-Experten Elias

  3. Eine wunderschöne Gegend! Ich war selbst schon mehrmals in der Umgebung und genieße auch diese kleinen Auszeiten so sehr. Ich sollte mich unbedingt auch mal wieder aufmachen.

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