🇫🇷 Korsika – Rundreise auf der l’Île de Beauté

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Die viertgrößte Mittelmeerinsel mit knapp 9000 Quadratkilometern Fläche befindet sich direkt neben Sardinien. Und tatsächlich: Bei gutem Wetter (also sehr häufig) kann man die italienische Insel sehen, es liegen ja nur 12 Kilometer Meer dazwischen. Das französische Festland hingegen liegt 180 Kilometer entfernt. Trotzdem, auf die eigene Sprache (Korsisch) legen die Einwohner von Korsika viel Wert, und die meisten Schilder sind sowohl in Französisch wie auch in Korsisch beschrieben.

Unterwegs mit Leihwagen und Zelt auf Korsika …

Unterwegs mit Leihwagen und Zelt waren wir nie länger als zwei Nächte auf einem Campingplatz, die, und das sollte man sich merken, zu einem Großteil zu Anfang Oktober ihre Pforten schließen. Wir waren 2017 in der letzten September bzw. ersten Oktoberwoche da, im Oktober mussten wir schon mal zwei oder drei Camping-Plätze anfahren, aber irgendwann haben wir immer einen schönen Schlafplatz gefunden.

Korsika
Am Horizont können wir Sardinien sehen

Bonifacio und drumherum

Unsere Reise begann im Süden der Insel. Camping Rondinara war unser erster Platz und als es am ersten Tag wie aus Eimern regnete – Gott sei Dank sollte es direkt wieder schöner werden – hielten wir es für klug, nur die nahegelegene und ganz im Süden befindliche Stadt Bonifacio zu besichtigen. So konnte am nächsten Tag das Zelt noch etwas trocknen, bevor wir es wieder einpackten. Hier in Bonifacio gab es hervorragende Törtchen und Mini-Tartes, die einer Sünde auf Wolke Sieben glichen. Cremig und knackig, geschmackvoll und deliziös! Insgesamt war die Stadt sehr schön; sehr imposant war die Zitadelle, die auf einem Felsen gebaut war. Vor dort aus konnten wir auf den vielbefahrenen Hafen blicken, wenn wir denn im Regen stehen geblieben wären.

Bonifacios Hafen Korsika
Bonifacios Hafen
Leckerrrrr…*

Ein Kreuzfahrtschiff verdeckt die Uferpromenade von Ajaccio

Nach Bonifacio machten wir uns auf den Weg in Richtung Insel-Westen, damit wir endlich einen schönen Sonnengang am Meerhorizont sehen konnten. In Ajaccio haben wir nur kurz gehalten. Wir wollten doch endlich raus aus den Städten! Trotzdem: Ein Stopp in der Inselhauptstadt sollte sein und wir spazierten im Hafen umher.

Und dann: Der Kreuzer fuhr ein und ich erinnere mich, wie er das gesamte Panorama der Uferpromenade verdeckte. Und wenn ich mir nun die Fotos rückblickend anschaue, dann macht mich dieser Pauschaltourismus doch sehr traurig:

Als Pauschaltouristen wollen wir alles sehen, alles probieren, in nur zehn Tagen möglichst viele Städte bereisen und angucken und damit das besonders komfortabel ist, nehmen wir ein Kreuzfahrtschiff, mit dem wir möglichst wenig ein- und auspacken müssen und wenn möglich doch jeden Tag ein Steak essen können, oder den Sauerbraten. Ist ja alles inklusive. Die Einkehr bei den Einheimischen, dass wir das Geld auch wirklich dort im Ort lassen, dass wir das Leben im fremden Land kennenlernen und mit dem Winzer sprechen, wie der Weinbau hier anders als dort passiert, vom Künstler außerhalb der Stadt aus der eigenen Werkstatt ein Bild oder ein Kochutensil kaufen, das ist uns Pauschaltouristen wurscht. (Und von jeglicher Umweltverschmutzung fange ich besser nicht erst an…)

Das Kreuzfahrtschiff vor Ajaccios Uferpromenade

Aber wie gesagt: Lange haben wir in Ajaccio gar nicht verbracht. Es gab schließlich noch den wunderbaren Jardin des Abeilles zu besuchen, der einfach herrlich gestaltet ist und sehr viel Ruhe ausstrahlt.

Die Westküste um Porto

Und des Abends – ein hochdotierter Projektmanager hätte es nicht besser machen können – konnten wir endlich den Sonnenuntergang in Marine de Porto an einem steinigen und beliebten Strand bewundern: Wir kamen nur fünf Minuten vor Sonnenuntergang am Strand an, mussten sogar noch zum Strand laufen, ich verlor einen Flipflop dabei, wir breiteten unsere Picknickdecke aus und stießen mit der Dose Bier auf den Untergang an, den wir just in Time noch erreicht hatten. Das war ziemlich perfekt, die Suche nach dem Campingplatz im Anschluss nicht so sehr… Wenn ich mir die zurückgelegte Route bei Google anschaue, dann könnte man meinen, wir hätten uns zwischenzeitlich verfahren. Könnte man meinen, jaja. Irgendwann hatten wir aber den Camping Sole e Vista gefunden.

Der Sonnenuntergang in Porto

Endlich waren wir in der Natur. Endlich konnten wir wandern gehen

Vom Capu Frassettu aus machen wir unsere erste Wanderung zum Capu Rosso. Der Rother Wanderführer bezeichnet diese zwar nur als mittelschwer, aber ich fand, die hat es ganz schön in sich! Trittsicherheit und Schwindelfreiheit waren gefragt  (und zweiteres ist ja nicht so meins …) Trotzdem: Wenn sich eins gelohnt hat, dann der Ausblick. Ziel war der 300m senkrecht abfallende Felsen, auf dem sich der leicht ruinierte, aber noch begehbare Genueserturm „Turghiu“ befindet.

Der Genueserturm „Turghiu“

Wir konnten von dort den Blick über türkisblaues Meer genießen, sehen, wie ein paar kleine Motorboote – ganz klitzeklein – über den Golf von Porto umherhechteten und staunen, wie dieser Rundturm Mitte des 16. Jahrhunderts hier gebaut werden konnte. Denn der Weg, den auch damals die Genueser nehmen mussten, ist schließlich ganz schön krackselig und der Transport aller Baumaterialien war sicherlich nicht einfach. Laut Wikipedia hat es 150 Türme entlang der Küste gegeben, die untereinander eine Sichtverbindung hatten. Heute steht noch etwa die Hälfte aller Türme.

Weiter geht es zum Fango Delta, einem Naturschutzgebiet, das wir mit dem Kanu erkunden dürfen. Der Fango hat mehrere Seitenarme und es gibt viel zu entdecken. Ich erinnere mich, die Ranger haben sehr darauf geachtet, dass nicht zu viele Touristen gleichzeitig auf dem Wasser unterwegs sind, um die Ruhe der Natur nicht zu stören. Neben ganz besonders hübsch frisierten Kühen und Ochsen, sind uns einige Wasserschildkröten begegnet. Sie sagten: „Schöne Grüße an die Freunde der Outdoorseite!“

Schöne Grüße von den Wasserschildkröten!
Geile Frise …

Weiter nach Norden in die Stadt Calvi

Für zwei Nächte haben wir uns dann doch mal ein echtes Bett gegönnt. (Es war aber auch wieder ein Tag mit Regen gemeldet…) Die Anlage „Résidence Les Pins“ war ganz nett, die Einrichtung spartanisch, aber was soll’s! Wir waren ganz in der Nähe von Calvi, die Stadt konnten wir bequem zu Fuß erreichen. Calvi war wieder eine Stadt mit hochgelegener Zitadelle.

Wie gesagt, das Wetter war an dem Tag nicht so rosig und wir besuchten lieber eine Schnapsbrennerei, damit wir nicht nass würden. In der Domaine Orsini gab es neben dem hiesigen Myrte- und Kastanienschnaps – die Korsen machen einfach alles mit Kastanien: backen, trinken, kochen, die Weinfässer sind aus Kastanienholz … –, auch Wein und Pralinen.

Am gleichen Tag haben wir außerdem die ausgestorbene Stadt Occi besucht. Auf knapp 400 Meter Höhe sind die Ruinen eines alten Bergdorfs zu finden – hier gibt es keinen Kiosk und Eintritt wird auch nicht verlangt – und der Ort ist irgendwie magisch. Im Zentrum die Kirche und ein Marktplatz, drum herum Wohnhäuser mit Holztüren, wo selbst ich mir den Kopf am Türrahmen stoßen würde.

Mit dem Auto sind wir durch die sagenumwobene Steinwüste „Désert des Agriantes“ gefahren, aber wenn wir ganz ehrlich sind, dann hatte dieses Gebiet nicht so viel spektakuläreres zu bieten, als wir es vorher schon wahrgenommen haben. So wirkte das zumindest auf uns.

Gebirgs- und Bergland prägen fast 90% der Landschaft. Deshalb wird Korsika auch „Gebirge im Meer“ genannt.

Bei Saint-Florent war unsere nächste Destination auf dem Camping La Pinede und wir mussten ein wenig suchen, um noch einen Schlafplatz zu bekommen. Mittlerweile war die Hälfte unseres Urlaubs um und wir schrieben Oktober. Der Campingplatz war etwas weiter im Landesinneren, zu Fuß war die Stadt nicht erreichbar (zumindest nicht für einen Abendspaziergang).

Rund um Saint-Florent

Von Saint-Florent aus machten wir am Morgen eine Fährfahrt raus zu einer wunderbaren Bucht, in der sich normalerweise die Sonnenanbeter tummeln. Das taten sie auch heute, aber wir waren nicht zum Sonnenbaden da, wir wollten entlang der Küste wieder zurückwandern. Der Weg war wundervoll, entlang des azurblauen Meers und vorbei an ganz vielen Erdbeerbäumen. Die Früchte haben tolle Farben und lustige Formen, schmecken aber nicht so umwerfend wie normale Erdbeeren 😉 Am Ende der Wanderung war der Weg nicht mehr ganz so stabil, ich bin einmal ‚eingesunken’ und steckte etwa einen halben Meter in der … ach, seht selbst!

Nach Norden zum Finger

Zum „Finger“, das ist der nördliche Zipfel der Insel, der sich von Saint-Florent bzw. Bastia bis hin nach Ersa erstreckt, wollten wir unbedingt. Denn ohne viel Mühe kann man dort sowohl einen herrlichen Sonnenaufgang auf der Ostseite und einen tollen Sonnenuntergang auf der Westseite erleben – natürlich nicht gleichzeitig 😉

Was mir besonders imponiert hatte, das waren die kleinen Dörfer, die in die steilen Berghänge gebaut waren. Das waren immer nur wenige Häuser und in der Dämmerung wirkten sie richtig niedlich und verwunschen.

Wir übernachteten im Hôtel Le Saint Jean, einem urigen, nun modernisierten Landhaus, das richtig schön und gepflegt war. Von hier kann man einige Touren starten.

Ins Inselzentrum rund um Corte

Für uns ging es nun ins Inselinnere, Richtung Corte, zum Camping Saint Pancrace. Wir wanderten zum Melosee und kamen dabei an glasklaren kleinen Bergseen vorbei, die Temperaturen wechselten zwischen bollenwarm und eiskalt. Hier lud alles ein zum Picknicken, die Idee hatten viele der Besucher, die Blätter der Bäume färbten sich schon herbstlich rot. Auf dem Weg sind wir ein Stück den GR20 lang gegangen, der Trans-Korsika, oder auch „Korsika-Durchquerung“ genannt wird.

Zurück in den Süden

Nun waren wir schon beinahe auf dem Rückweg. Die letzten zwei Nächte verbrachten wir in der Domaine Pero Longo, die super schön eingerichtet war und sogar über einen eigenen Wein verfügt. Das Essen des angeschlossenen Restaurants wurde in allen Bewertungsportalen hochgelobt – aber im Oktober hatte jenes Restaurant leider geschlossen … Merkt euch diese Unterkunft also für die Hauptsaison 😉

So doof die Sucherei nach Unterkünften dann und wann war, so cool war es gleichzeitig auch zu sehen, wie sich die ganzen Jäger organisierten, um auf Wildschweinjagd zu gehen. Das sieht man natürlich erst ab Herbst. Das war sehr imposant und interessant (auch für Vegetarier). Alleine kommt ein Jäger scheinbar nicht sehr weit, hier auf Korsika hat man sich innerhalb von Teams organisiert. Und in Gruppen von 5-10 Jägern in schillernden Warnwesten kesselten sie ihre Beute ein.

Apropos Vegetarier: Zwar haben wir überwiegend im Zelt geschlafen, doch wir waren wir fast jeden Tag essen… Es war sehr lecker, aber als Vegetarier oder Veganer hätte man wirklich etwas länger nach einem entsprechenden Restaurant suchen müssen. Nur selten habe ich etwas passendes auf den Menükarten gesehen. Käse und Wurst werden auf Korsika wahrlich groß geschrieben. Im Schnitt haben wir für zwei Personen 60-70€ in den Restaurants gelassen, nicht unbedingt wenig.

Bonifacio bei Sonnenschein

Ganz am Ende waren wir nochmal in Bonifacio. Dieses Mal hatte es nicht geregnet und die Stadt zeigte sich nochmal von ihrer sehr schönen Seite (wobei sie auch trotz Regen am Anfang des Urlaubs ganz nett, nur eben verregnet war). Wir haben hier ein paar Souvenirs gekauft, denn tatsächlich ist Korsika zumindest in meinem Empfinden keine große Shopping-Insel. Klar, Essen und Trinken findet man überall, auch in der Form, dass wir uns etwas für Zuhause mitnehmen konnten. Wer aber Kunsthandwerk auf Korsika sucht, muss etwas länger suchen (wobei schon die Suche Spaß macht). In Bonifacio fanden wir gleich mehrere schöne Läden.

Hier noch ein paar Buchempfehlungen für die Reise:

  • Rother Reiseführer Korsika – Link
  • Asterix auf Korsika – Link
  • Marco Polo – Link
  • Outdoor: Trans-Korsika: GR 20 – Link
Hinweis
Die Reise nach Korsika erfolgte ohne jegliche PR-Unterstützung, Honorar oder sonstiges.

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