🇪🇹 Äthiopien – Ein Land der Kontraste

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Marktszene in Lalibela

Da stehe ich nun und versuche die Eindrücke zu verarbeiten. Es herrscht hektisches Treiben. Viele Gerüche dringen in meine verstaubte Nase. Einige erkenne ich wieder, andere sind mir vollkommen fremd. Es wird gedrängelt, lauthals diskutiert und gefeilscht. Schafe, Ziegen und Kühe werden durch die engen Gassen der bunten Verkaufsstände in Herden an mir vorbei getrieben. Etwas abseits der Menschenmengen entdecke ich eine riesige Herde von Eseln, die ruhig in der prallen Mittagssonne stehen.

Für viele eine ganz normale Szene auf dem Wochenmarkt in Lalibela, für mich ein ganz neues Erlebnis. Ich bin auf einem Trip durch den Norden von Äthiopien, zu dem mich Hauser Exkursionen eingeladen hat. Und ganz ehrlich: Im Leben nicht wäre ich auf die Idee gekommen, in dieses Land im Osten Afrikas zu reisen.

Äthiopien, ein Land der Kontraste – nicht nur der farblichen Kontraste. Mit einem der höchsten Berge und einem der tiefsten Täler Afrikas, hat Äthiopien alles zu bieten, was du für dein nächstes Outdoor-Abenteuer brauchst. Aber meine ersten Eindrücke vom Wochenmarkt in Lalibela, die Freundlichkeit der Menschen und die atemberaubende Schönheit der berühmten Felsenkirchen von Lalibela, die wir in der Kleinstadt besichtigen können, werfen in mir die Frage auf: Warum reisen eigentlich so wenige Touristen in dieses wunderschöne Land der vielen Kontraste?

Felsenkirchen von Lalibela

Bereits am Tag unserer Anreise kann ich einen ersten Eindruck von der Magie der elf Felsenkirchen bekommen, die hier um das Jahr 1250 in mühevoller Handarbeit aus dem Fels herausgearbeitet wurde. In zwei Kirchengruppen sind viele der Kirchen, die versteckt angelegt wurden, um möglichst unentdeckt zu bleiben, durch ein Gangsystem miteinander verbunden. Teilweise 10 Meter hoch ragen die reich verzierten Gebäude aus ihren Löchern, gerade so weit, dass das Dach ebenerdig mit dem umliegenden Boden erscheint. Manche wurden vertikal in den Fels getrieben, andere wieder horizontal. Ein Meisterwerk der Architektur, das bei einem Besuch im Norden von Äthiopien nicht fehlen darf. Auch heute noch werden die Kirchen als solche genutzt. Davon kann ich mich selbst überzeugen, als ich mit meiner Reisegruppe eine der vielen Feierlichkeiten vor Ort besuchen darf.

Ich finde mich zwischen hunderten, vielleicht sogar tausenden Menschen in weißen Gewändern wieder, die sich ihren Weg durch die engen Verbindungsgänge der Anlage bahnen. Hier, wo seinerzeit ein zweites Jerusalem entstehen sollte, spürt man die tiefe Verbundenheit der vielen äthiopisch-orthodoxen Äthiopier*innen. Es wird gemeinsam getrommelt, gesungen, gebetet und gefeiert.

Ein absolutes Highlight, auch wenn alle Kirchen ihren ganz eigenen Charme haben, ist die Kirche des Heiligen Georg, auch Bete Giyorgis. Als einzige der elf Felsenkirchen wurde sie von der UNESCO nicht mit einem schützenden Dach versehen und kann so ihre volle Schönheit zum Ausdruck bringen, was sie zur berühmtesten der Kirchen in Lalibela gemacht hat. Ich bin tief beeindruckt von dieser architektonischen Meisterleistung.

Unsere lokalen Guides Daniel und Abel von AGAPE Tour PLC können viel zur Geschichte der Kirchen, aber auch zu Äthiopien und zu Lalibela erzählen. Sie führen uns zielsicher durch das für uns nie endende Wegsystem der Felsenstadt.

Kloster Yemrehanna Kristos

Etwa 19 Kilometer fährt man von Lalibela nach Yemrehanna. Oberhalb des Ortes soll ein Kloster in den Fels gebaut worden sein, das wir besichtigen wollen. Als wir mit unserem weißen Kleinbus das Dorf über die kurvigen Schotterpisten erreichen, stürmen junge Männer und viele Kinder direkt auf uns zu und bieten sich als Guides für den Aufstieg nach Yemrehanna Kristos an.

Über eine angelegte Treppe gelangen wir Schritt für Schritt näher an das Kloster heran. Dabei tue nicht nur ich mich mit der dünnen Luft auf über 2.000 Metern schwer. Durch uralte Bestände von Olivenbäumen geht es stetig bergauf. Wir hören viele Vögel singen, die hier aufgrund der verhältnismäßig vielen Bäume eine Heimat finden.

Vor einer Mauer halten unsere Guides an. Hier soll sich das Kloster befinden. Wie überall in Kirchen und heiligen Orten in Äthiopien heißt es erneut: Schuhe aus. Der Priester begrüßt uns und wir treten ein. Was hinter der Mauer nicht zu vermuten war: In einer riesigen Höhle wurden einige Gebäude errichtet, die an altes Fachwerk erinnern. Im hinteren Teil der Höhle liegen die Gebeine von unzähligen Menschen, die hier ihre letzte Ruhe gefunden haben. Wir nutzen die Stille in der Höhle und erkunden sie mit der nötigen Demut, bevor wir uns wieder an den leichten Abstieg machen. Schon beim Eintritt in das Kloster habe ich zwei ältere Herren bemerkt, die sich vor dem Eingang niedergelassen haben. Sie erzählen sich etwas und unsere Guides erklären uns, dass viele Äthiopier*innen lange Strecken auf sich nehmen, um ein Kloster und eine Kirche zu besuchen. Diese beiden älteren Herren, so vermuten sie, verbringen einige Tage hier, um in Ruhe für die Heilung einer Krankheit zu beten.

Diese Aussage wird noch einmal unterstrichen als ich beim Abstieg zum Dorf eine Gruppe blinder Frauen bemerke, die auf halber Strecke um eine Gabe bitten. Sie waren mir beim Aufstieg gar nicht aufgefallen, müssen dort aber auch schon vorher gesessen haben. Vielleicht war ich auf dem Hinweg auch zu sehr mit Atmen und Fragen an unsere Guides stellen beschäftigt.

Nach unserem Besuch in Yemrehanna Kristos haben wir kurz Zeit, unsere selbst mitgebrachten Speisen in einem kleinen Café zuzubereiten. Es gibt kühle Getränke, bevor wir uns auf eine kurze Wanderung durch ein trockenes Flussbett auf machen. Wieder werden wir von unzähligen Kindern begleitet, die sich uns als Guides anbieten, um sich damit ein paar Bier zu verdienen. Als ich mich mit Rafael ein wenig von der Gruppe absetze, um bessere Fotos machen zu können, bin ich kurz darauf dankbar, einen der Jungs dabei zu haben, der mir den Weg zwischen Ackerflächen hindurch zurück zur Gruppe zeigt. Nach etwa drei Kilometern erwartet uns unser Busfahrer am Straßenrand. Unsere jungen, vermeintlichen Guides wollen natürlich für ihre Arbeit entlohnt werden und kommen mit uns zum Bus. Gut, dass die Reiseleitung die Situation aufklären kann.

Auf unserem Rückweg nach Lalibela kommen uns viele Menschen entgegen, die ihre Waren auf dem Markt in Bilbala angeboten haben. Konnten wir den bunten Markt auf dem Hinweg noch in seiner vollen bunten Pracht miterleben, stehen an der selben Stelle nun nur noch die Holzgerippe der Stände. Die Menschen, die hier ihre Waren angeboten haben, sitzen nun in kleinen landestypischen Cafés uns lassen es sich bei einem Bier gut gehen.

Der Kontrast der Großstadt – Äthiopien ist nicht gleich Äthiopien

In Gonder angekommen eröffnet sich mir eine ganz andere Welt. Während in Lalibela Häuser vornehmlich in der traditionellen Bauweise aus Eukalyptus-Stangen und Lehm gebaut wurden, entdecke ich hier direkt in der Nähe des Flughafens gemauerte Mehrfamilienhäsuer, die hier während der Besatzung durch die Italiener erbaut wurden. Auch wenn Äthiopien nie als Kolonie eines europäischen Landes missbraucht wurde, haben die Italiener hier architektonische Spuren hinterlassen, die sich auch im Ortskern auf der Piazza wiederfinden.

Hier in der mittelgroßen Stadt erleben wir die Zuneigung der Äthiopier*innen zum Fußball. Beim Spiel Fasil Kenema (Gonder) gegen Bahir Dar Kenema sind wir live dabei, als die Fans das Stadion erstürmen. Es geht um Platz Eins der Tabelle und Menschen klettern über meterhohe Mauern ins Stadion. Auf dem umliegenden Bergen versammeln sich die Menschen, um aus der Ferne am Spiel teilhaben zu können. Es ist laut, die Straße mit Bajajs (Tuk Tuks) und Kleinbussen verstopft. Kein Vorankommen. Und ein absoluter Kontrast zum eher ländlichen Lalibela.

Festungsstadt Fasil Ghebbi

Im 16. und 17. Jahrhundert begann Kaiser Fasilidas, in Gonder eine Residenz für die Regenzeit zu bauen. Die beeindruckende Anlage besuchen wir mit unserer kleinen Reisegruppe selbstverständlich auch.

Die beeindruckenden Bauten der Royal Enclosure innerhalb der fast einen Kilometer langen Mauer gehen zurück auf mehrere Herrscher. Immer wieder wurden Paläste und Wehranlagen hinzugebaut, die gesamte Anlage erweitert. Als Zeichen der Macht wurden in den immer noch vorhandenen Zwingern Löwen gehalten.

Die im Krieg durch Luftangriffe teilweise stark beschädigte Anlage zieht mich sofort in ihren Bann. Die Anlage, die zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört, wurden unter anderm von den Italienern als Waffenlager genutzt und hat architektonische hinduistische und arabische Einflüsse, später auch durch jesuitische Missionare eingebrachte Elemente des Barock.

Selbst unter anderen Besucher*innen der Anlage scheint das Fussballspiel der beiden Mannschaften um den ersten Platz der Tabelle ein Gespräch zu sein. Junge Männer in den Farben der Mannschaft von Gonder erzählen unserem Guide Abel, dass ihr Team gewonnen hat. Und es ist, wie es überall ist: Auf unserer Fahrt zur nächsten Sehenswürdigkeit sitzen die Jungs in den Cafés und trinken ein Bier. Die ganze Stadt erstrahlt in den Mannschaftsfarben.

Kloster Debre Berhan Selassie

Das Kloster Debre Berhan Selassie wurde von Kaiser Iyasu um das Jahr 1700 gegründet und gehört natürlich auch zum UNESCO-Weltkulturerbe. Mir scheint, als könne ich hier nirgendwo etwas finden, das nicht zu dieser Sammlung der bedeutendsten Sehenswürdigkeiten gehört.

Um das Kloster herum sehen wir Geier kreisen, die hier auf ihre Futter warten. Aus den hohen Bäumen rund herum hören wir sie rufen. Und während wir die Geier hören, werden wir im Inneren des Klosters von hunderten Engeln angestarrt. An der Decke erstrecken sie sich über viele Meter und schauen auf uns herunter. An den Wänden entdecken wir etliche biblische Bilder der üblichen Heiligen wie Maria, von den Erzengel Gabriel und Michael oder auch Adam und Eva sind abgebildet.

Die Gläubigkeit der Äthiopier*innen beeindruckt mich zutiefst. Historisch gesehen kein Wunder, denn im Norden dieses kargen Landes liegt die Wiege des Christentums. Von hier aus verbreitete sich im 4. Jahrhundert das Christentum in Äthiopien. Vor allem unter den Amharen und den Tigray ist das äthiopisch-orthodoxe Christentum weit verbreitet.

Während der Feierlichkeiten in den Felsenkirchen von Lalibela, aber auch in vielen anderen Momenten wie etwa im Kloster Yemrehanna Kristos oder in den vielen Kirchen im Land, ist die Gottesverbundenheit der Menschen förmlich zu spüren.

Äthiopien, ein Land der Kontraste. Zwischen dem ländlichen leben in den abgelegenen Dörfern rund um Lalibela und dem städtischen Leben in Gonder liegen Welten. Auch landschaftlich wartet bei jeder Fahrt durch die Gebirgsregion im Norden des Landes hinter jeder Kurve eine Überraschung. Mal felsig und karg, mal flach und grün – auf einer Reise durch das Land bleibt es abwechslungsreich. Die rote Erde und die grünen Büsche bilden dabei einen Komplementärkonrast, der seinesgleichen sucht.

Im nächsten Teil meines Reiseberichts nehme ich dich mit zu den Menschen in Äthiopien. Du kannst mit mir weiter in dieses spannende Land eintauchen und lernst die Bewohner*innen kennen.

Hat es dir bis hier hin gefallen? Willst du auch gerne einmal nach Äthiopien reisen und hast Fragen? Dann freue ich mich auch deinen Kommentar unter diesem Beitrag.

Werberechtlicher Hinweis
Hauser Exkursionen hat mich zu diesem FAMTrip kostenfrei eingeladen. Die Inhalte und Empfehlungen entsprechen zu 100% meiner persönlichen Meinung.

2 KOMMENTARE

  1. Ich bin ja schön begeistert das alles zu lesen und zu sehen, ohne dass ich selber dort hin muss. Mir ist das alles zu weit weg von Vertrautem, aber ich lese es sehr gerne. Die Kirche des Heiligen Georg ist ja der Wahnsinn.
    Übrigens, ich sehe Deine Bilder erst, wenn ich auf das leere Feld klicke, was unter dem Text ist. Liegt das an der Browsereinstellung bei Chrome oder ist es ein Fehler?

    LG Elke

    • Hallo Elke, danke für den Hinweis. Hab das direkt mal gecheckt und es scheint wohl irgendein Bug zu sein. Werde ich direkt mal nach schauen. Vielleicht habe ich auch einfach zu viele Galerien eingefügt 🙂

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